Kappelner Heringstage – Something between Fish and Ships

Das Gebiet der Stadt Kappeln erstreckt sich am Übergang der Schlei im Südosten der Halbinsel Angeln und, seit der Eingemeindung von Olpenitz, zudem auf dem südlichen Ufer der Schlei auch im Norden der Halbinsel Schwansen bis an den Küstenstreifen der offenen Ostsee heran.

Wie unterschiedlich sind die Auffassungen der Einheimischen und der Touristen zu dieser Veranstaltung?

Ich bin seit einigen Jahrzehnten Bewohner der Halbinsel Schwansen. Gleichzeitig komme ich mir aber auch als Tourist in Kappeln, das zu einem Teil der Halbinsel Angeln gehört, vor. Ich kenne keinen Menschen in Kappeln persönlich.Also muss ich mir eine Meinung bilden als Tourist. Wie wirken also die Kappelner Heringstage auf mich als Tourist… Spannende Frage.

Wenn ich als Großstädter antworten sollte, nehmen wir mal an, als Hamburger, würde ich sagen: Niedlich! Oder was die Parksituation in den belebten Zeit angeht: Fein! Wie zu Hause! 🙂

Da ich aber auch als Bewohner dieser Region eine Anmerkung abgeben möchte: Allet nich so dolle! Hauptsächlich besteht der ganze Tanz aus Fressbuden, wie sie bei jeder Kirmes zu finden sind. Ob nun auf den Fischmärkten oder Jahrmärkten der Dörfer… man trifft sie immer wieder.

Abgesehen davon eben auch die anderen Attraktionen, die mich selbst nicht zu dieser Veranstaltung auch nur heraus locken könnten.

Es gibt ihn gebraten oder geräuchert, grün oder gesalzen, eingelegt oder als Salat. Je nach Verarbeitung heißt er dann Rollmops, Matjes, Bismarckhering, Brathering oder Bückling. Der facettenreiche, vielleicht vielfältigste Fisch der Welt, der Hering, ist in Kappeln in aller Munde – und das Wahrzeichen der Stadt. Vor mehr als 40 Jahren widmete man ihm zu Ehren daher ein Volksfest, die Kappelner Heringstage. Seither ist die Stadt jährlich zu Christi Himmelfahrt für vier Tage im Heringsfieber.

Geladene Prominente und Persönlichkeiten aus ganz Schleswig-Holstein reisen an, um bei der berühmten „Heringswette“ mitzumachen. Es geht darum, das Gewicht des Fischfangs zu schätzen. Wer am realen Fangergebnis am dichtesten dran ist, wird für ein Jahr Heringskönigin oder Heringskönig von Kappeln. Dies ist traditionell der Auftakt zu den Kappelner Heringstagen.

Jedes Jahr zu den Heringstagen, steht also zunächst der „Ellenberger Heringszaun“ im Mittelpunkt des Geschehens. Hier in Kappeln befindet sich der letzte funktionstüchtige Heringszaun in ganz Europa und wahrscheinlich auch der ganzen Welt.

Der Heringszaun stammt aus dem 15. Jahrhundert und stellt eine verblüffend einfache Methode des Fischfangs dar. Der Zaun besteht aus Pfählen, die in den Fördegrund gerammt und mit Flechtwerk miteinander verbunden sind. So entstehen für die Heringe undurchdringbare Mauern die trichterförmig zulaufen und die Fische werden an das schmale Ende des Zaunes geleitet, an dem sich ein Netz befindet. Durch die heutigen modernen Fischmethoden und den stetigen Rückgang des Fischreichtums wird der Heringszaun inzwischen nicht mehr wirtschaftlich genutzt.

Der Verschönerungsverein Kappeln hat es sich zum Hauptanliegen gemacht, dieses einzigartige Denkmal des uralten Fischfangs zu erhalten.

So viel zur Geschichte des Ganzen. Nun ist es aber so, dass mich das Alles nur am Rande interessiert. Viel interessanter sind die Menschen an diesem Ort – und ich meine damit die Eingeborenen.

Fangen wir mal ganz von vorn an. Ich bin mit der besten Frau von allen abends so gegen 20.00 Uhr dort aufgeschlagen. Und siehe da: Massig freie Parkplätze… 🙂 aber der Lärm von der Band auf einer Lifebühne am Hafen ließ mich schon wieder die Stirn runzeln. Denn, auch wenn diese Band, genannt die Donnerloch Boyz aus Koblenz…

Gold und Platin-Auszeichnungen für über

10 Millionen verkaufte Tonträger, über 2.800

Live-Auftritte auf vier Kontinenten und in

60 Ländern der Erde, 16 Studioalben,

unzählige Titelbilder auf allen relevanten

Musik-Magazinen und Millionen begeisterte

Groupies sowie Fans auf der ganzen Welt.

Aber ich hörte nur Lärm… Verstehe sowieso nicht, wie man auf so einer kleinen Bühne so eine unglaubliche Lautstärke abfeuern muss… werde ich nie verstehen. Krampfhaft versuchte der Sänger der Truppe die Massen (?) in Stimmung zu versetzen. Nun, da hatte allein das Wetter schon einiges dagegen. Es war kühl, sehr kühl… In spätestens 10 Minuten ist man den Parcour der Fressbuden durch, ach nein, halt, da gab es ja noch ein Riesenrad… etwas höher als ein Laternenpfahl… das das Ganze ein wenig auflockerte. Dorf halt… 🙂 Das Ding drehte sich, aber niemand saß in den Gondeln. Hm… Viel interessanter waren da doch die ganzen Jachten, die da vor Anker lagen. Bei manchen fragte nicht nur ich mich… Warum klagen die Leute das alles teurer wird… da lagen insgesamt Millionen rum. Auch angesichts der Tatsache, dass Kappeln nicht nur einen Hafen hatte und vor allen Dingen alle anderen Küstenstädte drum herum auch nicht. Sei es nun Eckernförde, Kiel oder Schleswig… Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands ebenso wenig wie Flensburg… Man fragte sich unweigerlich; wo kommt das ganze Geld dafür her.

So schlecht kann es uns doch gar nicht gehen. Was dann noch weitere Fragen aufwirft ist dieses Gesülze von: Alles wird teurer, selbst bei ALDI kann ich mir den Käse nicht mehr leisten. Sprachs und stieg in einen Audi Q5, wahrscheinlich mit synthetischen Langlauf Motoröl für 65 Euro der Liter. Da entgleist mir immer alles völlig… Irgendwie wird da die Priorität völlig falsch gesetzt.

Doch ich schweife ab. Es geht ja um die Kappelner Heringstage. Ähäm…

Weil ich noch im Garten zu tun hatte, Rasen mähen und ein wenig aufräumen, hatten wir Hunger bekommen, doch an eine von den Buden wollten wir Beide nicht. Komischerweise hatten die meisten Restaurants schon geschlossen (!) Doch eines hatte auf. Das hat immer auf… 🙂 Die Fährschänke. Auf die kann man sich verlassen. Ich, oder besser wir, waren erst einmal in diesem Lokal. Auch auf den Heringstagen und auch draußen im „Zelt“. Denn drinnen war es brechend voll.

Als wir uns gesetzt hatten, schaute ich nach draußen durch die Plastikplane und mir fiel auf was da für Typen rum liefen. Dafür lohnte sich alleine eine Geschichte und deshalb geht es auch jetzt erst richtig los.

Rechts oben von unserem Tisch saß eine Gruppe, keine Ahnung was, die machten von sich reden, durch lautes nichtsnutziges Gerede über Gott und die Welt. Ich versuchte das zu ignorieren. Es dauerte eine Zeit bis wir bedient wurden. Naja, wir waren ja auch nur knapp 10 Personen im Außenbereich des Restaurants, da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Ich bestellte mir eine Kutterscholle mit Bratkartoffeln und Speck. Das hatte seinen Grund. Und einen halben Liter Duckstein. Denn der Fisch will schwimmen. So, was hat es damit auf sich? Vor einigen Tagen war ich im „Landgasthof Kosel“ zum Essen. Nach langer Zeit mal wieder den Laden ausprobieren, soll ja ein neuer Besitzer drin sein. Ein Besitzer der gleichzeitig der Koch ist. Und ein sehr, sagen wir mal für die Gemeinde Kosel (räusper) ein ziemlich hochtrabendes Preisgefüge hat. Ob zu Recht oder Unrecht, sei dahin gestellt. Nach dem was ich bekommen habe, natürlich Scholle mit Bratkartoffeln und Speck 🙂 war es fast schon ungenießbar. So etwas schlabberiges habe ich noch nie bekommen. Ich hätte es zurück gehen lassen sollen, dafür hatte ich aber einfach zu viel Hunger. Und die Bratkartoffeln waren ja auch nicht schlecht… doch die Krone an dem ganzen Besuch der knapp drei Stunden dauerte: Nicht einmal wurde nachgefragt, ob Getränke gewünscht wurden. Jaja, man kann auch selbst das Maul auf machen, weiß ich… aber mir fiel das nur auf weil sonst alle Naselang bei Getränken nachgefragt wird sobald das Glas leer ist. Hier nicht.

Lange Rede kurzer Sinn: Für eine selbstgemachte „Praline“ in der Größe eines Daumennagels 1,50 € zu einem Kaffee für 4 Euro die Tasse bei einem anderen Gast… war das mein letzter Besuch…

Wir reden hier von Dorf, wirklich Dorf… und nicht Hamburg irgendwo…

So, ich bekam also meine Scholle… in der Fährschänke in Kappeln 🙂 und war sowas von angenehm überrascht. Alles auf dem Punkt. Und keine verbrannten Bratkartoffeln… Was will mein Herz mehr.

Und wieder ging mein Blick nach draußen. Eine junge Frau versuchte auf ihren Stilettos einigermaßen würdevoll auszusehen, als sie den Catwalk hinunter kam. Ging natürlich voll nach hinten los, dieses Gestakse war ja nicht zu ertragen. Ich wandte mich schaudernd ab. Eine andere Person der gleichen Spezies hatte wohl den Wetterbericht nicht so ganz auf der Reihe: Links und rechts von ihr Männer in Jacken, das war auch angebracht, und Mylady dachte wohl, diese Veranstaltung ist in den Tropen… Egal, Hauptsache schick! Schick in die Erkältung.

Ich widmete mich wieder meiner leckeren Scholle. Die war doch viel interessanter. Und so schmackhaft. Echt lecker. Eigentlich sollte ich die einpacken und sie dem Koch des Koseler Landgasthofs um die Ohren hauen…

Plötzlich wurde es wieder interessant… 🙂 Von oben kam ein junger Mann, der anscheinend nicht wusste wo er war. Selig an seiner Bierflasche nuckelnd, obwohl der Schnuller scheinbar abhanden gekommen war, schaukelte er von einer Seite auf die nächste und blickte ziemlich, sagen wir mal vorsichtig, grenzdebil aus den Augen. Plötzlich hielt er an einem Stand, stellte die Buddel auf seinem Bierbauch ab (!) und suchte nach etwas. Vielleicht waren es die Erklärungen, die er zu Hause abgeben wollte, warum das alles passiert ist… Man weiß es nicht.

In der Zwischenzeit war das Kinderkarussell abgedeckt und auch das Riesenrad außer Betrieb genommen worden. Nur diese Schluchtenschreier, die waren immer noch am Lärm machen.

Mir fiel in diesem Moment ein, man sollte sich öfter zu solchen Gelegenheiten ein Skizzen und Notizbuch mitnehmen. Geschichten die das Leben schrieb. Oder so. Mal schauen, ob das was für mich ist. Jedenfalls hat es mir großen Spaß gemacht meine eigene Geschichte zu einigen zu dichten, die sich wirklich auffällig benahmen. Ob diese nun der Wahrheit entsprechen oder nicht, spielt ja keine Rolle. Hauptsache Spaß!

In diesem Sinne… schaun wir mal was diesen Sommer noch alles passiert.

🙂

Wie sieht es aus nach einem Monat ELAC?

Am Montag dem 3. April begann ich mein Arbeitsverhältnis bei ELAC in Kiel. Es begann trotz der Probearbeitstage ein wenig holprig. Es spielte sich auch in den nächsten vier Tagen nicht geschmeidig ein. Irgendetwas hielt mich davon ab,sicher zu arbeiten.

Nun, es kam Karfreitag und somit die Osterfeiertage. So hatte ich zunächst 4 Tage um mich von meinen Rückenschmerzen zu erholen.

Und vier weitere, weil es in den verlängerten Urlaub ging. (Betriebsurlaub) Das fing ja gut an!

Wer jetzt glaubt, ich wurde langsam sicherer den muss ich enttäuschen.

Irgendetwas passierte bei mir und an mir.

Zunächst behielt ich so gut wie nichts von dem, was Micha mir erklärte. Ständig musste ich nachfragen, wie nun was wo und so weiter…

Das machte mir großes Kopfzerbrechen.

Schlimmer wurde es, als meine Kreuzschmerzen einfach nicht weniger werden wollten.

Ich konzentrierte mich zu sehr auf meine Schmerzen… bald auch in den Händen. Ich nehme an, es ist Artritis oder Atrose, hoffentlich kein Rheuma…

Was aber zur Folge hatte, dass ich den Akkuschrauber ungewollt aus meiner Gewalt verlor und die Schraubendreherspitze in die hochglänzende Oberfläche des Lautsprechers fahren ließ. Dies passierte mir vier mal in kurzer Zeit. Keine gute Voraussetzung bei einer Tätigkeit, die fast 90% des Tages ausmacht.

Ich war mehr als geknickt. Doch der Produktionsleiter nahm mich zunächst aus dieser Arbeit heraus und ich übernahm die Woche darauf die Packstation.

Praktisch auch die Endkontrolle. Lautsprecher noch einmal auf Hochglanz wienern, in Tuchtasche einpacken, Plastiktüte drüber und rein in den Karton.

Karton… Panzerkarton… Enorm hoher Kraftaufwand um die Dinger zu knicken und mit der Heftpistole zusammenzuknipsen. Vorher noch mit den richtigen Aufklebern an den richtigen Stellen versehen. Das hört sich alles so einfach an, ist es vielleicht auch…

Allein das Händeln mit den Lautsprechern ist schon ein ziemlicher Kraftakt, wenn die Dinger über 15 Kilo wiegen. Über den ganzen Tag verteilt kann das ganz schön schlauchen.

Summe aus allem: Vom Einbau der Netzwerke mit der richtigen Einstellung über die Dämmung mit einzelnen Matten, deren Verteilung und Anordnung ich mir aufschreibe und aufzeichne, damit ich sie bei den verschiedenen Modellen nicht vergesse, bis zur Verpackung erlebe ich des öfteren einen Rückschlag.

Habe ich mir zu viel zugemutet?

Ich werde den nächsten Monat versuchen noch konzentrierter ans Werk zu gehen, wäre schade jetzt die Flinte ins Korn zu werfen, nur weil mir der Start nicht so leicht gelingt wie mit 25.

Wobei ich beim nächsten Problem bin:

Ich bin zu langsam. Wenn die Handgriffe sitzen, sollte es besser werden. Ich merke aber, dass ich spätestens ab Mittag, wenn es richtig läuft, meine Kräfte schon abklingen.

Was ich brauche ist Zeit, doch die scheine ich nicht zu haben.

Wäre echt schade um diesen schönen Job der mich morgens mit Musik empfängt und nachmittags mit Musik entlässt…

Zweiter Probearbeitstag bei ELAC

Mit dem frühen Aufstehen werde ich wohl keine Schwierigkeiten haben: Kurz vor vier macht sich Diggles bemerkbar und sagt mir dadurch: Ey Alter ich hab Hunger! Also Futter geben und dann noch ein wenig dösen bis 4.30 Uhr.

Um kurz nach fünf geht’s dann wieder los. Ein wenig schmerzt mein Rücken schon, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt.

Mein Auto direkt vor der Tür der Firma geparkt, auf ein paar Kollegen gewartet, die mir die Tür öffnen konnten und dann erst einmal in die Kantine. War ja noch keine 6.00 Uhr.

Ein wenig runter gefahren und anschließend meinen Kollegen Michael aufgesucht.

Heute wollten wir uns nur um einen Artikel kümmern. Der war zwar nicht besonders groß, hatte es aber in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Am Tag zuvor bin ich schon mit dem Aufbau angefangen, wusste also was mich erwartet.

Es brauchte eine Zeit, bis ich flüssig arbeiten konnte. Und Michael hatte das Tempo gesteigert. Nicht eine Box, nein 4 Boxen sollte ich gleichzeitig nacheinander fertig stellen. Zunächst hatte ich keinen so richtigen Plan, wie er sich das vorstellte. Doch das Problem war schnell gelöst.

Vier Boxen nebeneinander gestellt und so nacheinander gedämmt, Netzwerk eingebaut und weiter geleitet zu Michael, der dann die Lautsprecher einbaute anschließend die Amplitudenmessung erledigte und auch die Verpackung übernahm. Und so ging das den ganzen Tag. Was der Vorteil daran ist: Ich lernte schnell die zu verwendeten Handgriffe und so wurde daraus ein ziemlich „leichter“ Tag. Am frühen Nachmittag führte ich dann das alles entscheidende Gespräch mit dem Produktionsleiter der Fa. ELAC.

Das war nicht so das, was ich eigentlich hören wollte, aber er machte mir auch in gewisser Weise Hoffnung, das es schon klappen würde.

Er überließ es mir jetzt noch bis 15.00 Uhr weiter zu arbeiten, oder das ich auch gehen könnte. Alles andere würde ich dann schon zu wissen kriegen.

Ich entschied mich zu bleiben. Das hatte Michael sich verdient…

Einen Tag später…

… rief ich bei Frau Koobs von der Lebenswerft an um ihr mitzuteilen, wie es mir ergangen ist, sie bat mich darum. Sie wiederum bat mich um einen Rückruf, was sich als nächstes ereignen würde. Das dies nun ein paar Minuten später sein würde, konnte ich nicht ahnen.

Eine mail nur vom Produktionsleiter:

Hallo Reinhard, Frau K. Ist noch krank, aber unser Geschäftsführer hat bereits Grünes Licht für Deine Einstellung gegeben. Also nicht nervös werden, wir melden uns.

Ja, und sofort rief ich wieder bei Frau Koops an um ihr die gute Mitteilung mitzuteilen. So wird sich alles zum Guten wenden, denn wie heißt es so schön: Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut war, dann ist es noch lange nicht das Ende.

Ich freue mich jedenfalls wie ein Schneekönig… 🙂

Erster Probearbeitstag bei ELAC

20.03.2023

Um 2.00 Uhr schaue ich das erste mal auf den Wecker. Ich kann irgendwie nicht schlafen. Zu sehr arbeitet mein Hirn mit dem ersten Probearbeitstag bei ELAC.

Um 4.30 Uhr wird der Wecker klingeln…

Bis ich mit allen Vorbereitungen fertig bin wird es noch bis 5.15 Uhr dauern…

Zwischendurch döse ich wieder ein und wache nur durch die Tatsache auf, dass meine Ohren taub sind. Links mehr als rechts… na toll! Fängt ja gut an. Ich hätte doch schon eher den Termin beim Ohrenarzt nehmen sollen.

Noch bevor der Wecker klingelt beruhigt sich dieser Zustand wieder ein wenig und ich bereite mich auf die Abfahrt nach Kiel vor.

Es regnet. Nicht viel, aber doch genug, um meine Stimmung weiter nach unten zu drücken.

Menno, du Penner. Das ist eine Bundesstraße und keine Strecke für langsame Fahrzeuge, entfährt es mir überdurchschnittlich laut, als es vorn mal wieder nicht vorwärts geht. Und kein Mensch das versteht, warum bei einem Überholverbot auf einer Bundesstraße nur bis 80 gefahren werden darf. Schwachsinn…

Ich komme aber trotzdem pünktlich an.

So, und nun?

Vorne am Haupteingang warten? Eine kurze Weile.

Ich entschließe, mich einmal hinter dem Gebäude umzusehen. Doch da lande ich vor einer Tür wo

drauf steht: THEATER KIEL… jo, wat n Theater…

Also wieder zurück und da treffe ich bei einem Nebeneingang auf mehrere junge Leute die rauchend da herum stehen.

„Is dass auch n Eingang von ELAC?“, frage ich.

„Jo, aber du kannst nur mit uns hinein kommen… wart mal n Augenblick!“

Jo, so ist das wenn man mit Rauchern kommuniziert… der Dampf muss erst mal durch die Lunge, bevor die eigentliche Betätigung des Türöffnens ausgeführt werden kann…

Doch als ich dann drin bin, wo ich schon beim Bewerbungsgespräch war, ergibt sich alles wie von selbst.

Thorsten, der Produktionsleiter nimmt mich bei der Hand und führt mich noch einmal durch die heiligen Hallen, erklärt mir wo die verschiedenen Abteilungen, auch wo die Büros sind und schließlich landen wir wieder in der Produktionshalle. Ich werde meinem Kollegen vorgestellt, mit dem ich zusammenarbeiten soll. Wir beschnuppern uns kurz und Michael beginnt mit meiner Einweisung. Nicht alles auf einem Mal, aber genug um am Feierabend um 15.00 Uhr sagen zu können: Boah… so viel Eindrücke habe ich in den letzten drei Jahren nicht gehabt.

Ich darf auch gleich mit dem ersten Lautsprechermodell beginnen.

Michael zeigt es mir einmal, zweimal, dreimal, teilweise auch viermal ganz geduldig, was ich da zu tun habe. Nach drei, vier Stück habe ich es begriffen. Und es läuft recht gut.

Frühstück.

Tolle kleine Kantine. Tische mit groben Holzbohlen belegt, dominieren den Raum, 2 Kühlschränke für eigene Sachen stehen bereit, genauso wie vier Mikrowellenherde, die für persönliche Mahlzeiten bereit hängen. Ein Geschirrspüler – eine komplette Küche.

Ich setze mich nach Aufforderung einer Kollegin sogleich ans Fenster. Wir tauschen ein paar Sätze aus, ein richtiges Gespräch kommt aber noch nicht zustande. Und dann ist nach 25 Minuten auch schon die Pause zu Ende.

Ich stelle den Rest des großen Modells fertig und muss mich dann an einem neuen Modell beweisen. Es ist kleiner, aber es hat es in sich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bekomme zunächst ein Problem mit der richtigen Seite des Aufklebers. Er steht auf dem Kopf. Argh… Es folgen noch mehrere kleine, aber wichtige Sachen, die ich einfach vermassele. Warum? Ich weiß es nicht… Aber ich gebe nicht auf.

So geht das bis zur Mittagspause. Zwischendurch nähern Michael und ich uns weiter an, finden einige Gemeinsamkeiten und gehen tiefer.

Über uns klingen Lautsprecher, natürlich von ELAC, mit beschwingter Musik. Aber allein dies macht es zu einem kleinen Erlebnis.

Bin ich von SIG SAUER noch die dröhnenden Absaugvorrichtungen gewöhnt, die mit quäkendem Rumgenöhle eines kleinen Transistorradios übertönt werden sollte… wenn man es genau nahm, war das Scheißding nur eine weitere Lärmquelle, wurde ich hier schon fast umschmeichelt mit Musik. Eine völlig andere Welt.

25 Minuten… abschalten. Naja nicht ganz. Ich nehme noch etwas zu mir, um nicht zusammenzubrechen 🙂 checke noch kurz das Smartphone. Nichts, was wichtig wäre und weg damit!

Und schon befinde ich mich wieder auf dem Weg in meine Abteilung.

Ich lege wieder Hand an den Feind. 🙂 Aber es will noch nicht so aus mir hinaus. Michael beruhigt mich, ich solle ruhig machen, wie ich es am besten könnte. Mir fehlen ja noch die Tricks und Handgriffe, um die Arbeit auch produktiv schnell auszuführen. Und immer wieder erleide ich Rückschläge, aber auch wieder kleine Schritte nach vorn.

Ich habe noch nie von Schraubendrehern, unterstützt mit Luftdruck gehört die mit verschiedenen Drücken arbeiten können. Und da passiert mir dann auch mein erstes Missgeschick: Ich reiße eine Schraube mit dem tödlichen Teil ab. Das Gewinde ist hin. Lautsprecher auseinandernehmen und Innenleben in ein neues Gehäuse bauen. All so was kostet Zeit…

Ich will die Schrauben per Hand hinein drehen, merke aber schnell, dass dies nicht so einfach ist und übe weiter an dem Druckluftschrauber, der eine spezielle Technik aufweist: Auf dem ersten Weg schnell hinein und dann ganz langsam bis zum Ende anziehen. Doch was ich dabei beachten musste war: Ich durfte die Schrauben nicht, wie ich es bei dem größeren Modell getan hatte, alle vorher eindrehen und dann Attacke, da gab es ein anderes Problem. Drehte ich sie vorher hinein, war der Weg des Anzugs zu lang und die Gefahr des Abriss war gegeben. Also musste ich die Schraube die ich vorher eingedreht hatte, wieder bis zum Anfang zurück drehen und mit dem Schrauber hinein. So wurde daraus ein Schuh. Äh, Lautsprecher. Das eigentliche Problem aber war die Einhaltung der Spaltmaße. Deshalb schraubte ich vor. Das erschien mir so sinnvoller. Wenigstens hatte ich jetzt den Schrauber ein wenig unter Kontrolle.

Es ging auf Feierabend zu. Ich verlief mich noch einmal in ein Gespräch mit Michael, von wegen was gibt’s für Typen von Lautsprechern, wie macht man einen Impulstest und so weiter.

Kurze Zeit später schraubte ich noch weiter und bemerkte, dass Michael schon für morgen vorbereitete… Ich sollte morgen lernen zwei Lautsprecher gleichzeitig montieren. Vorspiel für vier Stück gleichzeitig, oder sechs… sonst würden wir ja gar nicht voran kommen.

Nicht das machte mir jetzt plötzlich Kopfzerbrechen, sondern eher die „noch lange nicht sitzenden“ Handgriffe. Es wird auch noch eine Zeit brauchen. Und ich weiß auch genau, dass es schwierig wird, wenn ständig etwas Neues hinzu kommt, das schon Erlernte wieder anzuwenden, wenn der Abstand zu groß wird…

15.00 Uhr, Feierabend. Michael und ich geben zum Umkleideraum und ich frage ihn direkt, was er denn nun von mir hält. Es ist das erste Mal seit meiner beruflichen Laufbahn, dass ich so etwas direkt frage. Aber ich wollte es wissen, es gehörte jetzt zu meiner weiteren Erkenntnis auch über mich selbst dazu. Wie wirke ich auf andere, erfülle ich das, was ich mir selbst zutraue auch wirklich?

Michael gibt mir ein ehrliches Statement und ich bin sehr zufrieden nicht nur mit mir sondern auch mit ihm. Das kann etwas Produktives werden. Jetzt muss ich nur noch körperlich durchhalten.

Sicher, ich verspüre eine gewisse Beanspruchung von Körperteilen, die sonst nicht so beansprucht werden. Aber das ist auch normal, nach so einer langen Zeit der Unproduktivität. Diese Zeit muss ich nur überstehen, dann wird es hoffentlich laufen…

Kurz bevor ich hinaus gehe treffe ich auf eine Reinigungskraft.

„Ich bin Fatima!“ strahlt sie mich an. Klein ist sie und der Funke springt sofort über.

„Du kannst mich Schnucky nennen“,antworte ich und wir grinsen uns noch einmal an, bevor ich gehe… Irgendwie scheinen Reinigungskräfte eine Art Anziehung auf mich auszuüben. Oder war es anders herum? 🙂

Epilog:

Ich fahre zum ersten Mal wieder glücklich nach Hause. Ja, es lief nicht alles hundertprozentig, aber ich habe Hoffnung. Zum ersten mal verspüre ich wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung…

Zustand der allgemeinen Verfassung – Update V

ELAC I

14.03.2023 Die Wende

Am 14. Dezember habe ich meine Integrationsmaßnahme in die Arbeitswelt in der „Lebenswerft“ in Eckernförde begonnen. Ich bekam eine Coachin zugeteilt, mit der das Bewerbung schreiben tatsächlich Spaß machte. Es war nicht leicht, die ganzen Stellenanzeigen durch zu forsten. Also kamen Stepstone und Monster als Mitläufer hinzu. Eben weil es auch dort sehr viele Stellenanzeigen zu sehen gab. Tiefer in die Materie habe ich mich damit aber nicht gegeben. Das erschien mir alles viel zu aufwendig. Dennoch kamen sieben Bewerbungen auf die für mich passende Stelle zusammen. Nicht viel, aber genug, wenn man auf das Ergebnis sieht.

Ich hatte mir gewisse Grenzen gesetzt. KEINE Schichtarbeit mehr, kein Stress, vor allen Dingen mögliche Gelassenheit. Und Fenster mit klarem Ausblick nach draußen… 🙂

Zunächst gestaltete es sich schwierig. Montierer von Lüftern war die allererste Anlaufstelle. Arbeitsort in Eckernförde, das versprach einen kurzen Arbeitsweg, nicht unerheblich in heutiger Zeit. Doch das Ding verlief nach einem völlig unbefriedigendem Bewerbungsgespräch im Sand. Die zweite Bewerbung ging an ein elektroakustisches Unternehmen in Kiel. OK, etwas länger der Fahrtweg, aber immer noch easy. Dort ging es um die Montage von Lautsprechern im High End Bereich. Zog sich auch eine Weile hin aber aus verständlichen Gründen, die hier nicht näher erläutert werden brauchen. Zwischenzeitlich bewarb ich mich bei einem Familienunternehmen, die einen Sandstrahler suchten. Nachdem auch von dort nichts kam, meldete ich mich wie so oft persönlich. Da ging es um Sandstrahlen in einer Freistrahlhalle. Also Helm mit Sauerstoff auf dem Kopf, einen Schutzanzug an und Attacke! Wie gut, dass man es mir so frei erzählte – ich stornierte sofort. Darauf folgte ein weiteres Lackierunternehmen in Kiel, die mir aber eine Absage erteilten. Besser eine Absage, als überhaupt nichts. Nichts ist schlimmer für einen Arbeitsuchenden, der kein Feedback bekommt. Dann ist da bis dato noch eine Produktion von Luftfiltern in meinem Programm, die sich auch noch nicht gemeldet haben. Etwas weiter im Norden, Sörup habe ich ein Pharmaunternehmen entdeckt, die einen Schleifer von Kleinteilen suchten. Schleifen und Polieren, keine so anstrengende Arbeit. Auch noch nichts… Und zum Schluss eine Silbermanufaktur in Flensburg. Ich bin ehrlich beeindruckt von dieser Firma, die einen Vor- und Nachpolierer für Silberbestecke suchte. Leider eine Absage… 😦

Doch all das verblasst, wenn man jetzt liest was mir heute widerfahren ist.

Heute hatte ich ein Bewerbungsgespräch mit der Personalchefin und dem Chef der Produktionsleitung des Elektroakustischen Betriebes in Kiel. Und was soll ich sagen: Es lief alles rund. Der Anfang verlief ein wenig holprig, ich startete von zu Hause im strömenden Regen, der sich in Kiel noch mal intensivierte. Ordentlich intensivierte. So was hatte ich bisher nicht in meinem Lebensprogramm. Am Zielort angekommen, es ist der Wissenschaftspark in Kiel, das nächste Problem: Keine Parkplätze, nichts, nada, njente. Ich hatte noch 15 Minuten Zeit. Zeit in der ich mehrmals um den Block fuhr und langsam nervös wurde. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Ich fand abseits meines Zielortes eine kleine Möglichkeit, den Wagen abzustellen. Parken konnte man das nicht nennen. Und jetzt zurück zum Zielort. Dauerte auch noch einige Minuten. Atemlos kam ich an und wurde nach meiner Erklärung, warum, dann doch noch freundlich begrüßt.

Auf die Frage, ob ich etwas trinken möchte… ja… und ich schüttete mir das Wasser mit zittrigen Händen ins Glas. Vielleicht war es die Aufregung, vielleicht auch die Angst zu versagen. Doch ich wurde überrascht: „So, jetzt fahren wir uns erst einmal runter und ich erzähle etwas über mich und die Firma, begann der Chef der Produktionsleitung unser Gespräch. Und langsam wurde ich auch wieder entspannter. Es lief gut an. Danach bekam ich zunächst eine Einführung in die Produktion von Lautsprechern, dann wo ich arbeiten sollte und eben die Dinge die man so bespricht in einer Arbeitshalle. Obwohl. Halle ist übertrieben. Es ist eine kleine, feine Manufaktur mit sehr highendigen Produkten. Zurück von der Tour gesellten wir uns wieder zur Personalchefin und ich klärte Fragen die jetzt auftauchten, hinsichtlich meines Lebenslaufes, was für Gehaltsvorstellungen ich habe… und alles lief auch hier in einem sehr lockeren Gespräch ab. Ich fühlte mich von Anfang bis Ende einfach nur wohl.

Am Ende beschlossen wir zwei Probearbeitstage einzurichten, die jetzt zeitnah genommen werden, weil, ab 03.04. wäre der Einstellungstermin, und ich freue mich auf diese Tage.

Hervor zu heben ist noch die unglaubliche Tatsache, dass dieser Job nur auf ein Jahr befristet war, doch man mir die Offerte machte, mich bis zur Rente, also drei Jahre und n paar zerhackte Tage, einstellen würde.

Ein Himmel ohne Wolken ist kein Himmel

Unter diesem Gesichtspunkt ging mein Spaziergang an der Schlei vonstatten. Wir hatten einen fantastischen blau-weiß-grauen Himmel, der mich dazu bewog die Schlei im Umfeld von Borgwedel zu untersuchen. Ich wurde nicht enttäuscht. Vielmehr wurde mir eine Information zuteil, von der ich bis dato noch gar nichts wusste. Doch dazu später mehr.

Zunächst verliefen wir uns auf einem Maisacker, von dem ich glaubte, dass man bis ans Ufer de Schlei gelangen konnte. Fehlanzeige, also wieder zurück.

An der Hauptstraße angekommen, bemerkte Sabine ein weiteres Auto, welches an einem Wanderweg parkte. Hier konnte man also den ausgewiesenen Weg nach Borgwedel begehen. Was wir auch sofort taten. Es wehte teilweise eine ziemlich steife Brise, aber es war für die Jahreszeit noch immer viel zu warm. Saharawind halt. Entlang des Weges erstellte ich immer wieder Bilder mit Blick auf die Schlei. Durch den starken Wind ergaben sich immer wieder neue Wolkenbilder am Himmel.

Und dann befanden wir uns auf einem „Lehrpfad“ für eines der „Naturerlebnisräume Schlei“. Und weil das so ist, muss ich jetzt mit den Lehrtafeln von der anderen Seite beginnen, denn hier war praktisch das Ende des Weges.

Wir begeben uns einfach rückwärts nach vorn zur ehemaligen Ziegelei in Borgwedel. 🙂

Vorbei an Insektenhotels und Streuobstwiesen.

Also ich muss schon sagen, ein museales Gelände gleichzeitig als Freizeit“park“ zu nutzen, das hat echt was. Man kann hier grillen, übernahten (in Zelten natürlich) und seine Ruhe geniessen – am Ufer der Schlei… schön geplant!

Überall in der Nähe kann man noch Artefakte der alten Ziegelei erkennen…

Und das ist sie, unsere Schlei… 🙂

Und hier befinden wir uns wieder am Anfangsort wo wir uns um 180 Grad gedreht haben um am Anfang zu beginnen… 🙂 Dieses ist übrigens wieder ein Bild, welches meine Kamera geknipst hat. Die kann das auch ohne mich… Naja, den Zeigefinger braucht’s schon, aber mehr auch nicht…

Dies war eine Zeitreise in die Vergangenheit, wie ich es nicht erwartet habe. Und es gehören noch einige Naturerlebnisräume dazu. Unter anderem auch die Gegend um Maasholm.

Dann noch der NER Galloway, von dem ich noch keine Ahnung habe wie sich mir dieser präsentiert, und der NER Moostoft in Ekenis.
Wird mir eine freude sein, da auch auf Entdeckungstour zu gehen.

See you…