Canada 1995.4

19.09.1995 Kelowna, Revelstoke und Golden

Heute morgen sind wir aus Kelowna erst um 8.00 Uhr (!) los gefahren. Nachdem wir unsere Koffer im Auto verstaut hatten, suchten wir die Tankstelle im Ort auf. 55 CanCent, fast 60 Pfennig, kostet hier der Liter Benzin. Doch bis ich den Tankverschluss endlich auf hatte, sollte noch einige Zeit vergehen. Bis mir ein zu Hilfe gerufener Kanadier erklärte, wie man das Ding auf bekam: Push (!) and Turn. Und ich war nur am Turnen, da konnte das Ding natürlich nicht auf gehen. (Zur Beachtung: Ich habe bis dahin und auch noch viele Jahre danach keinen Führerschein fürs Auto gehabt… also bitte nicht lachen!) Also dann: Tank voll gemacht und weiter ging es Richtung Nordosten. Nördlich von Kelowna wechselt der Hwy.97 in ein Paralleltal des Okanagan Valley. Und in WHINFIELD kann man die große Whiskybrennerei HIRAM WALKER & SONS besuchen, in der unter anderem die Traditionsmarke „Canadian Club“ destilliert wird. Durch die Brennerei gibt es Führungen, doch zunächst ließen wir uns von unserem Hunger in ein Restaurant führen: A&W, eine Fastfoodkette wie Mc Donalds hatten wir uns auserkoren. Und wieder wählten wir ein Kanadisches Frühstück. Die Bestellung wurde von einer sehr netten Dame hinter der Kasse entgegen genommen.

Nach dem Frühstück ging dann weiter in Richtung VERNON (23.500 Einw.) einen vom Tourismus noch nicht entdecktem Farmort am Nordende des Okanagan Valley. Dort lohnt die Besichtigung der O’Keefe Ranch – sagt unser Reiseführer, doch man muss eines wissen: Wenn der Hinweis kommt, genau dann abzubiegen, wenn es ersichtlich ist, dann sollte man dies tun, es gibt niemals eine zweite Möglichkeit, und so sind wir an der Abfahrt vorbei gerauscht :-(. Und auf dem Highway wenden ist verboten.

Die originalgetreu restaurierte Pionierranch von 1867 ist heute ein Museumsdorf mit General Store, Siedlerhäusern und viel Westernflair. Irgendwie bereue ich es doch, es mir nicht angesehen zu haben…

Farmland mit saftig grünen Wiesen (wenn es nicht regnet, werden die tatsächlich mit Riesenrädrigen Bewässerungssystemen mit Wasser berieselt), begleiten den Highway 97A nach SICAMOUS (2500 Einw. Stand immer noch 1995 :-), das an der Kreuzung mit dem TCH liegt. Der kleine Ort ist Ausgangspunkt für Wassertouren auf dem SHUSWAPE LAKE, einem weit verzweigten See, dessen Uferlinie über 1000 km (!) lang ist. Da nur wenige Straßen durch die dicht bewaldeten Hügel führen, kann man per Houseboat in diesem Wasserlabyrinth herrliche Wildnisferien verbringen.

In der Nähe dieses Sees genehmigt sich Sabine eine Schlafpause.

Geht einfach mit meiner Jacke als Kopfkissen ans Ufer und legt sich schlafen! Damit mir derweil nicht allzu langweilig wurde, erkunde ich die nähere Umgebung, immer mit einem Auge auf unser Fahrzeug. Man konnte ja nie wissen. .. So kam ich auf der Suche nach einem guten Fotomotiv durch ein bachbett, welches man trockenen Fußes über umgestürzte Bäume überqueren konnte. Doch auch auf der anderen Seite sah es nicht viel gewaltiger aus… Also wieder zurück. Und dort schglug ich mir die zeit mit Libellen beobachten tot. Poooh, war mir langweilig! Aber… diese Ruhe…

Panorama Einwegkamera…. war n Versuch wert….

Große Waldgebiete kennzeichnen den Weg entlang der transkontinentalen Bahnlinie hinauf in die MONASHEE MOUNTAINS. Nach etwa 30km auf dem TCH passiert man GRAIGELLACHIE. Der schottisch klingende Name steht nicht für eine Siedlung, sondern für ein Ereignis von historischer Bedeutung: Am 7. November 1885 wurde an dieser Stelle der letzte Nagel (the last pike) in die Schwellen der Trans-Canada-Eisenbahnlinie geschlagen. So stolz ist man darauf, dass man diesen letzten nagel, überall in dieser Gegend, vergoldet kaufen kann!

Fast 15 Jahre hatte es gedauert, bis der Osten und der Westen verkehrsmäßig verbunden waren – eine wichtige Voraussetzung für die Einheit des Landes. Auch der Holzumschlagplatz REVELSTOKE (7.700 Einw.), den wir jetzt anliefen, verdankt seiner Existenz der Bahn. Er wurde als Arbeitercamp gegründet und nach dem englischen Bankier Lord Revelstoke benannt. Der Ort liegt auf einer Ufertrasse des mächtigen, 1930km langen Columbia River, der von hier nach Süden in die USA fließt, um im Staat Oregon in den pazifik zu münden. Technikinteressierte können 10km nördlich des Ortes den REVELSTOKE DAM oder 138km weiter stromaufwärts den 242m hohen MICA DAM besuchen, einem der größten Staudämme Westkanadas. Wir zogen allerdings ein anderes Programm durch.: Da ich nicht ganz unbeleckt bin, was Eisenbahn – und deren Geschichte angeht, besuchten wir das Revelstoke Railway Museum.

Viele Bilder entstanden von der sich darin befindenden Lokomotive. Ein gewaltiges schwarzes Monstrum. An den Wänden rings um den doppelstöckigen Bau hingen viele Zeichnungen und auch alte Fotos die vom beschwerlichem Bau der Eisenbahnlinie zeugten. Unter anderem steht da auch eine Bohrvorrichtung zum Bohren von Verbindungslöchern in die Gleisstränge. Ich habe mein Glück auch mal versucht. Gar nicht so einfach die beiden Handkurbeln, die links und rechts angebracht waren, so schnell zu drehen, dass auch Späne abgenommen wurden. Die Sache funktionierte, aber gleichzeitig wurde mir bewusst, was für Strapazen und Mühen die Menschen damals auf sich genommen haben.

Die Sechskantkronenmutter ganz rechts im Bild hat 20cm im Durchmesser !
Und das ist sie, die damals übliche Bohrmaschine…

Anschließend fuhren wir noch einmal in die hübsche kleine Innenstadt und Sabine wunderte sich über die Aufteilung der Straßen im Schachbrettmuster. Und ich wunderte mich über die schon fast abnormale Toleranz der Fußgänger gegenüber. (Doch das war nicht nur hier so, sondern überall! Auch in der 1,5 Mio. Stadt Vancouver (Stand 1995)

Von Revelstoke steigt der Highway 1 hinauf in die COLUMBIA MOUNTAINS. Diese Bergmassiv dehnt sich etwa an der Grenze zu den USA 600km weit nach Norden, parallel zu den weiter östlich liegenden ROCKY MOUNTAINS aus. Gletscher und Gebirgsbäche haben im Lauf der Jahrtausende charakteristische Täler in das alte metamorphe Gneis- und Schiefergestein gegraben. Bis heute ist die über 3000m hohe SIR DONALD RANGE die höchste Kette dieser abweisenden Gebirgsregion, nahezu unzugänglich. Allein die Eisenbahnlinie und der erst 1962 gebaute Trans-Canada-Highway durchschneiden die einsame Bergwildnis. Im Winter ist die Straße durch die extrem hohen Niederschläge (10m Schneefall sind normal) von Lawinen bedroht und muss öfters geschlossen werden.

Erst 1881 drang der erste Mensch in die auch von den Indianern gemiedene Bergwelt vor: Major A.B. Rogers suchte für die CANADIAN-PACIFIC-EISENBAHNGESELLSCHAFT nach dem Weg über die SELKIRK MOUNTAINS, das Herzstück der Columbias, und entdeckte jenen Pass, der nach ihm benannt wurde. Seither hat sich wenig geändert, und damit dies auch so bleibt, hat die kanadische Regierung zwei Nationalparks eingerichtet, durch die der Highway 1 führt. Der mit nur 260km² relativ kleine MOUNT REVELSTOKE NP wurde 1914 durch eine Initiative der Bewohner des nahen Revelstoke gegründet. Sehr empfehlenswert ist eine Fahrt auf der 26km langen Stichstraße zum Gipfel des 1938m hohen MNT. REVELSTOKE, auf dem man ein gut ausgebautes Netz von Wanderwegen findet. Während der Fahrt auf den Berg kann man sehr schön die verschiedenen Vegetationszonen der Columbia-Mountains verfolgen: Mischwald mit Nadelbäumen, Birken und Pappeln unten in den Tälern, ab 1200m dominieren Engelmann-Tannen und Fichten; auf 1600m erreicht man die subalpine Zone der Bergwiesen. Nur 3 Monate, von Mitte Juni bis September dauert hier der Sommer, doch in dieser zeit verwandeln über 100 Wildblumenarten die karge Gebirgswelt in ein buntes Farbenmeer. Wieder zurück im tal lernt man, ausgehend vom Giant-Cedar-Picknickplatz am TCH, eine völlig andere Vegetationszone kennen: Ein Fußweg verschafft Eintritt in den saftig grünen Columbia Regenwald mit hohen Farnen.

Einige Kilometer weiter östlich beginnt dann der CLACIER NATIONAL PARK.

Der schon 1868, kurz nach dem bau der Eisenbahnlinie gegründete Park umfasst 1350km² in den Selkirk Mountains. Seine Gletscher – über 140 – verhalfen ihm zu seinen Namen. (Stand 1995) Rund 12% des Gebietes sind vom ewigen Eis bedeckt. Wer sich von den häufigen Niederschlägen nicht abschrecken lässt – statistisch gesehen regnet oder schneit es am Westhang der Berge an zwei von drei Tagen -, dringt auf Wanderwegen (insgesamt 140km) tiefer in die grandiose Bergwelt ein. Vorsicht ist allerdings angebracht: Schwarzbären und sogar Grizzlys schätzen das Nahrungsangebot und die Einsamkeit des Parks und sind hier zahlreicher, als in anderen Regionen Kanadas.

Weiter auf dem TCH folgen wir dem Tal des ILLECILLEWAET RIVER stromaufwärts zur Passhöhe. Dort steht vor der Kulisse der steilen, bizarren Sir Donald Range ein Denkmal aus zwei gekreuzten Holzbögen, das an die Fertigstellung des Highway im Jahre 1962 erinnert. Die Eisenbahnlinie wurde nach zahllosen Lawinenunglücksfällen 1916 in einen 8km langen Tunnel unter den Pass verlegt. Im Besucherzentrum neben dem Denkmal sind eine Ausstellung und Filme über den Bau der Bahnlinie und der Straße zu sehen. Mehrere Überdachungen schützen den TCH auf seinem Weg vom Pass hinab ins Tal des BEAVER RIVER vor Lawinen. Die Betonfundamente am Straßenrand dienen der Kanadischen Armee im Winter als Standort für Geschütze, mit denen sie gefährliche Schneebretter abschießt, bevor sie unkontrolliert als Lawinen zu Tal gehen.

21.30Uhr. Wir erreichen GOLDEN (3800 Einw. Stand 1995) und haben wieder ein Super Motel gefunden. Es heißt SELKIRK INN und ist genauso teuer (oder günstig) wie in Penticton. Die Betten sind für eine Person mal wieder viel zu groß, das heißt, eigentlich kann man bequem mit 4 Personen in einem Raum schlafen. Hier haben wir dann auch zu Abend gegessen. Chicken Wings, was sonst? Die Portion sieht eigentlich nicht nach viel aus, macht aber doch satt. Und wenn man dies auf deutsche Verhältnisse überträgt, kann man hier doch sehr günstig essen. Wir sind jedenfalls pappsatt geworden. Und immer wieder wundere ich mich über die extreme Freundlichkeit der Menschen hier. Und dazu kommt noch, dass sie sehr hilfsbereit sind. Einen Wermutstropfen hatte das Ganze dann doch noch: Das Motel stand direkt neben einem Papier verarbeitenden Betrieb. Nun, wir haben den Geruch überlebt und schlecht geschlafen haben wir auch nicht.

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